29.06.2009:
Unternehmen verstoßen bei Investitionen in Schwellenländern häufig gegen Standards
Frankfurt am Main (ots) -
Analyse von PwC und oekom research: Kontrolle von ökologischen und
sozialen Standards im Ausland wird oft vernachlässigt / Über 60
Prozent der Hersteller von Unterhaltungselektronik verstoßen in der
Lieferkette gegen arbeitsrechtliche Anforderungen /
Menschenrechtsverletzungen bei jedem dritten Unternehmen im Bergbau
Immer mehr international agierende Unternehmen verpflichten sich
zur globalen Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards. Doch in
einigen Branchen besteht eine große Lücke zwischen der postulierten
unternehmerischen Verantwortung (Corporate Responsibility, CR) und
der tatsächlichen Einhaltung und Umsetzung von Vorschriften und
Regeln hierzu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der
Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers
(PwC) und der Rating-Agentur oekom research.
"Vielen Unternehmen gelingt es nicht, ihre Zulieferbetriebe in
Schwellenländern wirksam zu kontrollieren. In der Elektronik- und
Computerindustrie beispielsweise sind Verstöße gegen internationales
Arbeitsrecht und Arbeitsschutzbestimmungen eher die Regel als die
Ausnahme", kommentiert Rolf D. Häßler, Director Business Development
bei oekom research.
Die betroffenen Unternehmen machen sich damit nicht nur moralisch
angreifbar, sondern riskieren auch herbe Image- und Umsatzverluste.
Denn ihre Attraktivität sinkt für eine wachsende Zahl privater und
institutioneller Anleger, die neben klassischen Kriterien wie
Rendite, Risiko und Liquidität vermehrt auch soziale und ökologische
Faktoren bei Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Zu den
Prinzipien verantwortlicher Investitionen (Principles for Responsible
Investment) beispielsweise bekennen sich mittlerweile rund 360
institutionelle Anleger mit einem verwalteten Vermögen von über 14
Billionen US-Dollar. "Investoren legen aus verschiedenen Gründen
verstärkt Wert auf Nachhaltigkeit: Einerseits haben sie sich selbst
Verpflichtungen zur Einhaltung ökologischer und sozialer Standards
auferlegt, andererseits wollen sie Risiken für ihre Reputation und
das eingesetzte Kapital vermeiden", so Rolf D. Häßler.
Für die Studie wurden CR-Standards von weltweit 825 Unternehmen
aus rund 40 Branchen ausgewertet und bekannt gewordenen Norm- und
Rechtsverstößen gegenübergestellt. Als Grundlage der Analyse dienten
international anerkannte Regelwerke wie die Kernarbeitsnormen der
Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die OECD-Leitsätze für
multinationale Unternehmen sowie die zehn Prinzipien der Initiative
"Global Compact" der Vereinten Nationen.
Massive Arbeitsrechtsverstöße in IT- und Kommunikationsbranche
Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren auf Fälle von
Kinder- oder Zwangsarbeit bei Zulieferbetrieben sowie andere
Verletzungen elementarer Normen reagiert und zum Teil strenge Regeln
verabschiedet und Kontrollsysteme eingeführt. Dennoch bleiben
Verstöße gegen anerkannte internationale Arbeitsrechte und -standards
häufig. So bescheinigt die Studie den Unternehmen aus dem Bereich
Unterhaltungselektronik zwar überdurchschnittlich hohe Auflagen für
ihre Zulieferer. Tatsächlich arbeiteten jedoch fast zwei Drittel
(62,5 Prozent) der Gesellschaften mit Auftragnehmern zusammen, die
nachweislich Arbeitsrechtsverletzungen begangen haben.
Verstöße gegen grundlegende Arbeitsrechtsnormen registriert die
Studie auch in der Lieferkette von gut 53 Prozent der IT- bzw.
Computerhersteller, 40 Prozent der Produzenten von Mobiltelefonen und
Kommunikationsgeräten sowie 44 Prozent der Textilhersteller.
Rohstoffbranche im Fokus - 21 Prozent der Unternehmen verletzen
Standards
Für Unternehmen der Rohstoffbranche sind CR-Standards von
besonderer Relevanz. Denn während sich Rechts- und Normverstöße in
Handelsunternehmen oder im produzierenden Gewerbe meist auf Ebene der
Zulieferbetriebe ereignen, sind Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen in
der Regel unmittelbar verantwortlich.
"Ein Textilunternehmen kann auf einen Zulieferbetrieb, der sich
nicht an Arbeitsrechtsstandards hält, Einfluss nehmen und diesen als
letzte Option gegen einen anderen austauschen. Demgegenüber sind
Konflikte bei der Erschließung natürlicher Ressourcen für ein ethisch
handelndes Unternehmen ungleich schwieriger und mitunter auch gar
nicht zu lösen. Findet beispielsweise eine Ölgesellschaft, die zur
Erschließung eines Ölfeldes die ansässige Bevölkerung umsiedeln muss,
keinen Kompromiss mit den Betroffenen, muss diese auf das Geschäft
und damit Umsatz und Gewinn verzichten", sagt Stefan Calvi,
verantwortlicher Partner im Bereich Sustainable Business Solutions
bei PwC.
Jedes dritte Unternehmen der Rohstoffbranche verstößt gegen
Menschenrechte
Mittlerweile verfügen zwar insbesondere die Unternehmen der Öl-
und Gasindustrie über umfassende CR-Standards. Dennoch verstößt mehr
als jedes fünfte (21,1 Prozent) gegen Menschenrechte. Im Bergbau
liegt dieser Wert sogar bei 36 Prozent. Besonders häufig ging es um
Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und lokaler Bevölkerung
über die Landnutzung, die in Vertreibung und Enteignung endeten,
sowie um Gewaltanwendung durch Sicherheitskräfte.
Bei der Offenlegung von Zahlungen an ausländische Regierungen ist
die Rohstoffindustrie im Branchenvergleich führend, wenn auch auf
niedrigem Niveau. Transparenz ist in diesem Bereich für
nachhaltigkeitsorientierte Investoren besonders wichtig. Denn nur so
lässt sich überprüfen, ob Kompensationsleistungen und Lizenzgebühren
für Erschließungsrechte tatsächlich bei der betroffenen Bevölkerung
ankommen.
Potenzial unternehmerischer Nachhaltigkeit wird unterschätzt
Die Studienergebnisse legen nahe, dass viele Unternehmen zwar
CR-Standards verabschieden, diese aber nicht ausreichend
implementieren und kontrollieren. Eine erfolgreiche CR-Strategie für
Auslandsinvestitionen setzt umfassende Informationen über soziale und
ökologische Rahmenbedingungen voraus. Diese sind Basis für Ziele
unternehmerischer Verantwortung, die wiederum in konkrete
Handlungsanweisungen umgesetzt und auch kontrolliert werden müssen.
"In einem ersten Schritt mag es für Unternehmen ausreichend sein,
geltende rechtliche Bestimmungen im Rahmen ihres Auslandsengagements
nur zu erfüllen. Doch die Übertragung von Umweltauflagen
beispielsweise ist nicht nur limitierender Faktor, sondern schafft
Vertrauen bei der Bevölkerung vor Ort und Anreize zur Entwicklung
Klima- und ressourcenschonender Produkte und Dienstleistungen.
Schwellenländer sollten als Zukunftsmärkte angesehen werden", betont
Stefan Calvi.
Die Studie erhalten Sie als kostenloses pdf-Dokument unter
folgenden Links: www.pwc.de/de/sustainability
www.oekom-research.com/index.php?content=studien
Redaktionshinweis:
oekom research zählt zu den weltweit führenden Rating-Agenturen im
Bereich des nachhaltigen Investments. Die
Nachaltigkeits-Ratingagentur analysiert Unternehmen und Länder
hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Performance. Als
erfahrener Partner von institutionellen Investoren und
Finanzdienstleistern identifiziert oekom research diejenigen
Emittenten von Aktien und Rentenpapieren, die sich durch ein
verantwortungsvolles Wirtschaften gegenüber Gesellschaft und Umwelt
auszeichnen. Die Analysen von oekom research fließen in über 75 Fonds
ein und beeinflussen damit derzeit rund 90 Milliarden Euro Assets
Under Management.
Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist
in Deutschland mit 8.870 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von
rund 1,47 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für
nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet
Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und
prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie
in den Bereichen Deals und Consulting (Advisory).
Originaltext: PwC PriceWaterhouseCoopers
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/8664
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Pressekontakt:
Sylvia Kloberdanz
oekom research
Corporate Communications
Tel.: +49- (0)89/544184-64
e-mail: kloberdanz@oekom-research.com
Claudia Mende
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Marketing & Communications / Presse
Tel.: 069 / 9585-3179
e-mail: claudia.mende@de.pwc.com
Snapshot/Firmenprofil: PwC PriceWaterhouseCoopers
Quelle: news aktuell

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